Qualität & Post-Processing W3D-TG-27 ISO/ASTM 52900 Validiert

Wärmebehandlung additiver Metalle: Lösungsglühen, Auslagern, Spannungsarmglühen

Ingenieur-Guide zu Wärmebehandlungsstrategien in der additiven Fertigung: Spannungsarmglühen vor dem Trennen von der Bauplatte, Homogenisierung und DIN EN ISO 17663.

Stand: 2026-03-22 Lesezeit: 8 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

In Schmelzprozessen wie LPBF und Laser-DED erzeugen Abkühlraten von bis zu 10^6 K/s extreme thermische Eigenspannungen und unausgeglichene Nicht-Gleichgewichtsgefüge. Wird ein Bauteil unvorsichtig ohne vorheriges Spannungsarmglühen von der Bauplatte abgesägt, verzieht es sich unkontrollierbar oder reißt ab. Eine werkstoffspezifische Kette aus Spannungsarmglühen, Lösungsglühen und Auslagerung ist unerlässlich, um Maßhaltigkeit, Duktilität und Härte gezielt einzustellen.

  • Spannungsarmglühen MUSS immer vor dem Abtrennen von der Bauplatte erfolgen.
  • Lösungsglühen löst Seigerungen und Laves-Phasen auf und stellt chemische Homogenität her.
  • Ausscheidungshärtung (Aging) bringt aushärtbare Legierungen (IN718, 1.2709, Ti64) auf Zielhärte.
Eigenspannungsabbau
bis zu 90 %
Ofenatmosphäre
Vakuum / Schutzgas
Härteverzug Vermeidung
Plattengebunden
Standard
AMS 2759 / ISO 17663

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Werkstoff Spannungsarmglühen (auf Bauplatte) Lösungsglühen (Homogenisieren) Ausscheidungshärten (Aging)
Ti-6Al-4V Grade 5/23 650 - 700 °C / 2-3 h (Argon) 920 °C (Alpha+Beta) oder HIP Optional (meist Duplex-Glühen)
Inconel 718 980 - 1.065 °C / 1-2 h (Vakuum) 1.065 °C / 1 h (Löst Laves auf) 720 °C / 8 h -> 620 °C / 8 h
Edelstahl 316L 450 °C / 2 h oder 1.050 °C 1.050 °C (voll austenitisch) Keine (nicht aushärtbar)
Maraging-Stahl 1.2709 Nicht nötig (kohlenstofffrei) Nicht zwingend nötig 490 °C / 6 h (54 HRC)
01

Warum Spannungsarmglühen auf der Platte zwingend ist

Während des Bauprozesses stützt die massive Bauplatte das Bauteil und hält die thermischen Schrumpfkräfte im Gleichgewicht. Wird das Bauteil im verspannten Zustand per Drahterodieren (WEDM) oder Säge abgetrennt, entladen sich die Eigenspannungen schlagartig: Dünne Wände biegen sich durch, kreisrunde Bohrungen werden oval, und Funktionsmaße sind zerstört. Erst nach Spannungsarmglühen im Ofen relaxieren die Spannungen plastisch, sodass das Bauteil maßhaltig getrennt werden kann.

02

Vakuumöfen zur Verhinderung von Randentkohlung und Oxidation

Bei Wärmebehandlungen über 500 °C müssen sauerstofffreie Vakuumöfen (Druck < 10⁻³ mbar) oder Schutzgasöfen mit hochreinem Argon eingesetzt werden. An normaler Luft würden Stähle an der Oberfläche entkohlen (Härteverlust in der Randschicht) und Titanlegierungen eine spröde, rissanfällige Alpha-Case-Oxidschicht bilden, die aufwendig abgebeizt oder überfräst werden müsste.

AM Decision Engine: Verfahrens-Matching

Ermitteln Sie in 5 Schritten das technisch und wirtschaftlich passende Metall-3D-Druckverfahren für Ihre Bauteildimensionen, Werkstoffe und Losgrößen.

Technologie-Finder starten

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Schutzgasatmosphäre ist im Glühofen erforderlich?
Für Werkzeugstähle und Superlegierungen wird ein Vakuumofen mit Stickstoff- oder Argon-Hochdruckgasabschreckung (bis 10 bar) verwendet. Für Titan ist ausschließlich Vakuum oder hochreines Argon zulässig (kein Stickstoff!).

Passende additive Fertigungstechnologie oder Anlage finden

Welding3D verbindet technologisches Fachwissen mit industriellen Maschinenlösungen. Nutzen Sie unseren Technologie-Finder zur strukturierten Verfahrensauswahl oder fordern Sie eine gezielte Maschinenvermittlung für dieses Verfahren an.

AM Copilot KI-System

Online und bereit
Transparenzhinweis (EU AI Act): Sie interagieren mit einer generativen Künstlichen Intelligenz. Ergebnisse können ungenau sein. Bitte prüfen Sie alle technischen Parameter vor der Fertigung kritisch. Keine Eingabe sensibler Daten.
Weitere Details im Datenschutz.
Guten Tag! Ich bin der AM Copilot von Welding3D.de. Gerne unterstütze ich Sie bei der Technologieorientierung (PBF, DED, WAAM, Binder Jetting), bei Werkstoff- und Prozessfragen sowie bei der Auswahl passender Metall-3D-Drucksysteme.