Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-26 ISO/ASTM 52900 Validiert

AlSi7Mg0.6 (A357): Feinguss-Duktilität für Luftfahrt & Crash-Strukturen

AlSi7Mg0.6 (3.2371 / A357) im 3D-Druck: Höhere Bruchdehnung als AlSi10Mg (> 14 %), hervorragende Kerbschlagarbeit, Flugzeugbeschläge und Crashboxen im Motorsport.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 8 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

AlSi7Mg0.6 (Werkstoffnummer 3.2371 / EN AC-42200 / A357) ist eine untereutektische Aluminium-Silizium-Gusslegierung. Gegenüber dem Standardwerkstoff AlSi10Mg weist sie einen reduzierten Siliziumanteil (7 % statt 10 %) und einen optimierten Magnesiumgehalt (0.6 %) auf. Dieser chemische Unterschied verleiht AlSi7Mg0.6 nach einer gezielten Wärmebehandlung eine signifikant höhere plastische Verformbarkeit und Bruchdehnung (bis zu 16 %) bei exzellenter Schwing- und Kerbschlagfestigkeit. Sie ist der bevorzugte Werkstoff für crashrelevante Automobilkomponenten und tragende Luftfahrtbeschläge.

  • Höhere Duktilität: Bruchdehnung nach Wärmebehandlung erreicht 12 bis 16 % (vs. 6-8 % bei AlSi10Mg).
  • Ausgezeichnetes Energieabsorptionsvermögen für Crashstrukturen und stoßbelastete Fahrwerksteile.
  • Zertifiziert nach Luftfahrtnormen (AMS 4289) für tragende Strukturhalterungen.
  • Hervorragend aushärtbar über Mg2Si-Ausscheidungen bei Wärmebehandlung nach T6-Standard.
Bruchdehnung (A5)
12 - 16 % (T6-Zustand)
Zugfestigkeit (Rm)
360 - 410 MPa
Streckgrenze (Rp0.2)
270 - 320 MPa
Normierung
AMS 4289 / EN AC-42200

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Kriterium AlSi7Mg0.6 (A357) T6 AlSi10Mg T6 Scalmalloy (Al-Mg-Sc)
Siliziumgehalt 6.5 - 7.5 % Si 9.0 - 11.0 % Si < 0.5 % Si
Bruchdehnung A5 13 - 17 % 9 - 12 % 10 - 14 %
Streckgrenze Rp0.2 280 - 320 MPa 240 - 270 MPa 450 - 500 MPa
Kerbschlagzähigkeit Sehr hoch (kein Sprödbruch) Mittelmäßig Sehr hoch
Pulverpreis Moderat (Standard) Günstig (Standard) Sehr teuer (Scandium-Legierung)
01

Ausscheidungskinetik der Mg2Si-Phasen

Durch den höheren Magnesiumgehalt (0.6 %) im Verhältnis zum reduzierten Silizium bildet sich bei der Warmauslagerung (165 °C für 6 Stunden) eine hohe Dichte nadeliger, teilkohärenter beta"-Ausscheidungen (Magnesiumsilizid Mg2Si). Diese feinen Nadeln hemmen Versetzungen im Aluminium-Mischkristall homogen, ohne die gefürchtete Versprödung grober Siliziumkristalle hervorzurufen.

02

Crashrelevante Leichtbauknoten im Motorsport

Im Motorsport dürfen Fahrwerkslenker und Überrollkäfig-Knoten bei Unfällen keinesfalls spröde bersten, sondern müssen sich unter Absorption kinetischer Energie plastisch verformen (Biegefähigkeit). AlSi7Mg0.6 erfüllt diese Anforderung perfekt: Gedruckte Querlenker weisen im dynamischen Crashtest ein homogenes Faltenbeulverhalten ohne Rissausbreitung auf.

03

Schweißprozess und Schutzgasreinheit

Da der Siliziumanteil geringer ist als beim Eutektikum, ist das Erstarrungsintervall etwas breiter als bei AlSi10Mg. Um Erstarrungsrissen vorzubeugen, wird mit feineren Schachbrett-Belichtungsfeldern (Island Scanning 5x5 mm) und einer Bauplattenvorheizung von 150 bis 200 °C gearbeitet. Restsauerstoff im Schutzgas muss unter 100 ppm gehalten werden.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann wählt man AlSi7Mg0.6 anstelle von AlSi10Mg?
Immer dann, wenn dynamische Stoßlasten, Schwingungen oder Sicherheitsanforderungen gegen Sprödbruch (Luftfahrt, Crashstrukturen) eine garantierte Bruchdehnung von über 12 % verlangen.
Kann AlSi7Mg0.6 gehippt (HIP) werden?
Ja, für flugzertifizierte Bauteile wird HIP bei 510 °C und 1.000 bar durchgeführt, um Poren vollständig zu schließen und Schwingfestigkeiten (Wöhlerlinie) zu maximieren.
Ist die Wärmeleitfähigkeit identisch mit AlSi10Mg?
Sie liegt mit ca. 140 bis 165 W/(m*K) auf einem vergleichbaren Niveau und eignet sich bestens für Kühlkomponenten.

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