Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-18 ISO/ASTM 52900 Validiert

17-4 PH (1.4542): Martensitaushärtender Edelstahl im 3D-Druck

17-4 PH (1.4542 / AISI 630) im Metall-3D-Druck: Kupfer-Ausscheidungshärtung (H900 bis H1150), Festigkeiten bis 1.350 MPa, hohe Korrosionsbeständigkeit für Turbinen und Pumpen.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

17-4 PH (Werkstoffnummer 1.4542 / X5CrNiCuNb16-4 / AISI 630) ist der führende ausscheidungshärtbare martensitische Edelstahl in der additiven Fertigung. Er vereint die hervorragende Korrosionsbeständigkeit austenitischer Edelstähle (wie 304L) mit den extremen Festigkeiten hochfester Vergütungsstähle. Durch eine einfache, verzugsarme Wärmebehandlung bei moderaten Temperaturen (480 °C bis 620 °C) scheiden sich nanoskalige Kupferpartikel in der martensitischen Matrix ab. Festigkeiten von über 1.300 MPa und Härtewerte bis 44 HRC werden reproduzierbar erreicht.

  • Einfache einstufige Wärmebehandlung (H900, H1025, H1150) ohne schroffes Abschrecken minimiert Verzug.
  • Erreicht im H900-Zustand Zugfestigkeiten bis 1.350 MPa und Härten von 40 bis 44 HRC.
  • Breite Prozessverfügbarkeit in LPBF, Metal Binder Jetting und Metall-FFF (Filament).
  • Sehr gute Korrosionsbeständigkeit gegen Industrieatmosphäre, Laugen und milde Säuren.
Zugfestigkeit (H900)
1.250 - 1.380 MPa
Härte (H900)
40 - 44 HRC
Bruchdehnung (H1150)
14 - 18 %
Normierung
ASTM F3055

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Wärmebehandlungszustand As-Built (LPBF) Zustand H900 (482 °C) Zustand H1150 (621 °C)
Wärmebehandlung Keine Nachbehandlung 1 h bei 482 °C, Luftkühlung 4 h bei 621 °C, Luftkühlung
Zugfestigkeit Rm 950 - 1.050 MPa 1.250 - 1.350 MPa 950 - 1.020 MPa
Streckgrenze Rp0.2 750 - 850 MPa 1.150 - 1.250 MPa 750 - 820 MPa
Härte 28 - 34 HRC 40 - 44 HRC 28 - 32 HRC
Bruchdehnung A5 8 - 14 % 10 - 13 % 15 - 20 % (hochzäh)
01

Mechanismus der Kupfer-Ausscheidungshärtung

17-4 PH enthält ca. 3 bis 5 % Kupfer. Im as-built Zustand oder nach Lösungsglühen bei 1.040 °C ist das Kupfer in der martensitischen Matrix übersättigt gelöst. Beim Auslagern bei 482 °C (H900) scheiden sich kohärente, nur wenige Nanometer große kupferreiche Cluster ab. Diese Partikel behindern das Abgleiten von Versetzungsebenen extrem effektiv, was die Streckgrenze um bis zu 50 % in die Höhe treibt.

02

Schutzgasatmosphäre: Argon vs. Stickstoff bei 17-4 PH

Bei 17-4 PH spielt das Schutzgas eine Sonderrolle: Stickstoff stabilisiert Austenit. Wird 17-4 PH unter Stickstoff gedruckt, verbleibt ein höherer Rest-Austenitgehalt (Retained Austenite) im Gefüge, was die erreichbare Härte im Zustand H900 um 3 bis 6 HRC senkt. Für maximale Spitzenhärte wird der Druck unter 100 % reinem Argon empfohlen.

03

Anwendungen in Motorsport, Offshore und Medizintechnik

Aufgrund der Kombination aus Härte, Korrosionsbeständigkeit und günstigen Pulver- und Filamentpreisen wird 17-4 PH für chirurgische Instrumente (Knochensägen, Zangen), hochbelastete Motorsport-Radträger, Strömungsmischdüsen und chemische Pumpenwellen eingesetzt.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss 17-4 PH vor dem Auslagern lösungsgeglüht werden?
Bei LPBF-Bauteilen kann das Auslagern (z. B. H900) oft direkt am as-built Bauteil erfolgen. Für höchste Maßhaltigkeit und homogene Kennwerte empfiehlt sich jedoch ein vorgeschaltetes Lösungsglühen bei 1.040 °C.
Wie verhält sich 17-4 PH im Vergleich zu 316L?
17-4 PH ist mehr als doppelt so fest und deutlich härter (bis 44 HRC vs. 20 HRC bei 316L). 316L bietet jedoch eine noch höhere Korrosionsbeständigkeit gegen Chloride und ist unmagnetisch.
Ist 17-4 PH magnetisch?
Ja, aufgrund seines martensitischen Grundgefüges ist 17-4 PH stark ferromagnetisch.

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