Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-21 ISO/ASTM 52900 Validiert

Werkzeugstahl 1.2738 & 1.2312: Formenbau & Konturkühlung

3D-Druck von vorvergütetem Formenbaustahl 1.2738 (40CrMnNiMo8-6-4) und 1.2312: Rissfreie Hybridfertigung, Polierbarkeit auf Spiegelglanz, konturnahe Kühlung im Großformenbau.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Werkzeugstahl 1.2738 (40CrMnNiMo8-6-4 / AISI P20+Ni) ist das Arbeitspferd im großformatigen Kunststoffspritzguss- und Stoßfänger-Formenbau. Durch den Nickelzusatz (ca. 1 %) garantiert der Werkstoff homogene Festigkeit und gleichmäßige Härte (ca. 280 bis 325 HB, 30 bis 35 HRC) über große Querschnitte. In der additiven Fertigung (LPBF und DED) ermöglicht 1.2738 die wirtschaftliche Hybridfertigung: Auf einen standardmäßig gefrästen Werkzeuggrundkörper werden konturnahe Kühlsegmente direkt additiv aufgedruckt, wodurch die Zykluszeit beim Kunststoffspritzgießen um bis zu 40 % sinkt.

  • Vorvergüteter Formenstahl: Keine aufwendige Härtung nach dem Druck erforderlich (Arbeitshärte 30 - 35 HRC).
  • Exzellente Polierbarkeit und Eignung für fotochemisches Narben und Lasergravieren (Texturieren).
  • Optimal für Hybridfertigung: Laser-DED Auftrag von Kühlkonturen direkt auf konventionelle Fräsblöcke.
  • Erfordert kontrollierte Vorheizung (250 - 350 °C) zur Rissvermeidung im kohlenstoffhaltigen Gefüge.
Härtebereich
30 - 36 HRC (vorvergütet)
Zugfestigkeit (Rm)
950 - 1.150 MPa
Wärmeleitfähigkeit
33 - 35 W/(m*K)
Vorheiztemperatur
250 - 350 °C

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Kriterium 1.2738 (P20+Ni) 1.2343 (H11 Warmarbeit) 1.2709 (Maraging 300)
Kohlenstoffgehalt ca. 0.40 % C ca. 0.38 % C < 0.03 % C (kohlenstofffrei)
Vorheizbedarf 250 - 350 °C 400 - 500 °C Keine / 150 °C
Erreichbare Härte 30 - 36 HRC 50 - 54 HRC (nach Härten) 52 - 56 HRC (nach Auslagern)
Polierbarkeit Sehr gut (Spiegelpolitur) Sehr gut Exzellent
Typische Bauteile Spritzguss Großformen, Stoßfänger Druckguss, Schmiedegesenke Kleine Hochpräzisionskerne
01

Kohlenstoffgehalt und Rissprävention beim Schweißen

Mit 0.40 % Kohlenstoff besitzt 1.2738 ein hohes Kohlenstoffäquivalent (CEV > 1.1). Beim unkontrollierten Erstarren bildet sich glasharter, rissanfälliger Martensit. Um Kaltrisse zu verhindern, muss die Bauplatte oder der Grundkörper im DED auf mindestens 250 bis 300 °C vorgewärmt werden. Die Bauteile werden nach dem Schweißen spannungsarm geglüht (550 °C) und langsam im Ofen abgekühlt.

02

Spiegelpolitur und Narbung für Automobil-Sichtteile

Formeinsätze für Automobil-Sichtflächen (z. B. Scheinwerfergläser, Hochglanzblenden) verlangen Oberflächenrauheiten von Ra < 0.05 µm (Spiegelglanz) oder definierte Lasernarbungen. Additiv hergestellter 1.2738 muss frei von Mikroporen und Oxideinschlüssen sein, da Poren beim Polieren zu sichtbaren Nadelstichen (Pinholes) führen.

03

Wirtschaftlichkeit: Hybridfertigung statt Volldruck

Einen 500-kg-Formeinsatz komplett im Pulverbett zu drucken, wäre unwirtschaftlich. Beim Hybrid-Ansatz wird der 450 kg schwere massive Sockel konventionell aus 1.2738 geschmiedet und vorgefräst. Mittels Laser-Draht-DED werden anschließend nur die obersten 50 mm mit integrierten bionischen Kühlkanälen aufgebaut. Das senkt Fertigungszeit und Kosten um über 70 %.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worin unterscheidet sich 1.2312 von 1.2738?
1.2312 enthält Schwefelzusätze zur Verbesserung der Zerspanbarkeit. Für den 3D-Druck ist Schwefel jedoch giftig (Heißrissbildung). Daher wird für additive Prozesse stets der schwefelarme 1.2738 bevorzugt.
Welche Kühlkanalgeometrien sind möglich?
Es können helixförmige, tropfenförmige oder konturfolgende ovale Kanäle gedruckt werden, die den Abstand zur Formoberfläche konstant bei 3 bis 6 mm halten.
Kann 1.2738 nachträglich nitriert werden?
Ja, Gas- oder Plasmanitrieren erzeugt verschleißfeste Randschichten mit Oberflächenhärten von über 1.000 HV, ohne den Werkzeugkern zu verziehen.

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