Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-23 ISO/ASTM 52900 Validiert

Einsatzstahl 16MnCr5 (1.7131): Zahnräder & Getriebekomponenten

16MnCr5 (1.7131 / AISI 5115) im 3D-Druck: Einsatzhärtung, einsatzgehärtete Randschichten bis 60 HRC bei zähem Kern, topologieoptimierte Zahnräder im Automobilbau.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Einsatzstahl 16MnCr5 (Werkstoffnummer 1.7131 / AISI 5115) ist der wichtigste Werkstoff für hochbelastete Getriebezahnräder, Wellen, Kolbenbolzen und Gelenkkomponenten im Fahrzeug- und Maschinenbau. Seine Stärke beruht auf dem Verbundprinzip: Durch das geringe Grundkohlenstoffniveau (ca. 0.16 % C) bleibt der Bauteilkern extrem zäh und stoßabsorbierend, während eine nachgelagerte thermochemische Aufkohlung (Einsatzhärten) an der Randschicht extrem harte, verschleißfeste Laufzonen mit bis zu 60 HRC erzeugt. Mittels LPBF lassen sich innen hohle, 40 % leichtere Zahnräder mit integrierter Schmiermittelführung fertigen.

  • Niedriger Kohlenstoffgehalt (0.16 % C) garantiert exzellente Schweißbarkeit im LPBF ohne Hochtemperatur-Vorheizung.
  • Thermochemisches Einsatzhärten erzeugt verschleißfeste Randschichten bis 62 HRC bei hoher Kernzähigkeit.
  • Gewichtsersparnis von bis zu 40 % durch hohle Zahnradkörper mit internen Wabenstrukturen.
  • Kostengünstiger Serienwerkstoff mit weltweiter Verfügbarkeit von Pulver- und Drahtchargen.
Kern-Zugfestigkeit
800 - 1.050 MPa
Randhärte nach Härten
58 - 62 HRC
Einsatzhärtetiefe (CHD)
0.5 - 1.5 mm
Kernzähigkeit (Av)
> 50 J

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Bereich / Eigenschaft Bauteilkern (as-built LPBF) Bauteilkern (nach Wärmebehandlung) Randschicht (einsatzgehärtet)
Kohlenstoffgehalt 0.14 - 0.18 % C 0.14 - 0.18 % C 0.70 - 0.90 % C (aufgekohlt)
Gefüge Bainit / angelassener Martensit Feinkörniger Ferrit-Bainit Harter Martensit + Restaustenit
Härte 28 - 34 HRC 24 - 30 HRC (sehr zäh) 58 - 62 HRC
Zugfestigkeit Rm 950 - 1.100 MPa 800 - 950 MPa Flankentragfähigkeit > 1.500 MPa
Bruchdehnung A5 12 - 16 % 16 - 22 % < 3 %
01

LPBF-Prozessierbarkeit des kohlenstoffarmen Stahls

Im Gegensatz zu hochgekohlten Werkzeugstählen lässt sich 16MnCr5 dank seines geringen Kohlenstoffgehalts bei moderater Bauplattenvorheizung (150 bis 200 °C) absolut rissfrei mit Standard-Parametern schmelzen. Die schnelle Abkühlung führt zu einem feinen Bainit-Gefüge mit hoher Basisfestigkeit.

02

Aufkohlungsprozesse: Niederdruckaufkohlung (LPC) vs. Gasaufkohlung

Für additive Bauteile ist die Niederdruckaufkohlung (LPC mit Acetylen im Vakuumofen bei 930 bis 980 °C) die überlegene Technologie. Im Vakuum dringt der Kohlenstoff gleichmäßig in komplexe Konturen, Hinterschnitte und Schmierkanäle ein. Die anschließende Hochdruck-Gasabschreckung mit Stickstoff (bis 20 bar) minimiert Bauteilverzug im Vergleich zu herkömmlichen Ölabschreckbädern.

03

Topologieoptimierte Leichtbauzahnräder für E-Antriebe

In Elektroantrieben drehen Getriebestufen mit Drehzahlen über 20.000 U/min. Konventionelle Zahnräder sind massive Scheiben. Mittels LPBF wird der Zahnkranz über bionische Speichenstrukturen mit der Nabe verbunden; der Radkörper ist innen hohl. Dies reduziert das Trägheitsmoment um 35 %, senkt den Geräuschpegel (NVH) und steigert die Beschleunigungsdynamik.

AM Decision Engine: Verfahrens-Matching

Ermitteln Sie in 5 Schritten das technisch und wirtschaftlich passende Metall-3D-Druckverfahren für Ihre Bauteildimensionen, Werkstoffe und Losgrößen.

Technologie-Finder starten

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss der Zahnkranz nach dem 3D-Druck geschliffen werden?
Ja. Für Getriebeanwendungen der Qualitätsklassen DIN 4 bis 6 werden die Zahnflanken nach dem Härten auf Verzahnungsschleifmaschinen im Mikrometerbereich endbearbeitet.
Gibt es auch 20MnCr5 für den 3D-Druck?
Ja, 20MnCr5 (1.7147) mit leicht höherem Kohlenstoff- und Mangangehalt wird ebenfalls angeboten und bietet eine noch etwas höhere Kernfestigkeit für schwerere LKW-Getriebe.
Bleibt Pulver in hohlen Zahnrädern zurück?
Über konstruktiv eingeplante Entpulverungsbohrungen wird unverschmolzenes Pulver vor dem Einsatzhärten entleert. Die Bohrungen können anschließend durch Einschraubstopfen verschlossen werden.

Passende additive Fertigungstechnologie oder Anlage finden

Welding3D verbindet technologisches Fachwissen mit industriellen Maschinenlösungen. Nutzen Sie unseren Technologie-Finder zur strukturierten Verfahrensauswahl oder fordern Sie eine gezielte Maschinenvermittlung für dieses Verfahren an.

AM Copilot KI-System

Online und bereit
Transparenzhinweis (EU AI Act): Sie interagieren mit einer generativen Künstlichen Intelligenz. Ergebnisse können ungenau sein. Bitte prüfen Sie alle technischen Parameter vor der Fertigung kritisch. Keine Eingabe sensibler Daten.
Weitere Details im Datenschutz.
Guten Tag! Ich bin der AM Copilot von Welding3D.de. Gerne unterstütze ich Sie bei der Technologieorientierung (PBF, DED, WAAM, Binder Jetting), bei Werkstoff- und Prozessfragen sowie bei der Auswahl passender Metall-3D-Drucksysteme.