Werkstoffe & Legierungen W3D-TG-18 ISO/ASTM 52900 Validiert

Maraging 300 / 1.2709: Werkzeugstahl im werkzeuglosen Formenbau

Technischer Leitfaden zu Maraging-Stahl 1.2709 (MS1): Rissfreies LPBF-Drucken ohne Bauplattenvorheizung, Aushärtung auf 54 HRC und konturnahe Kühlung.

Stand: 2026-03-22 Lesezeit: 8 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Maraging-Stahl 1.2709 (X3NiCoMoTi18-9-5 / Werkstoff MS1 / 18Ni-300) ist der unangefochtene Standardstahl für Spritzguss-Werkzeugeinsätze mit konturnaher Kühlung. Dank seines extrem niedrigen Kohlenstoffgehalts (C <= 0,03 %) ist er unempfindlich gegen Kälterisse und lässt sich bei Raumtemperatur auf Standard-LPBF-Anlagen drucken. Seine Endhärte von 50 bis 55 HRC erreicht er durch eine einfache Wärmebehandlung bei 490 °C.

  • Kohlenstofffreies Martensitgefüge erlaubt rissfreien 3D-Druck ohne teure Hochtemperaturvorheizung.
  • Einstufiges Auslagern bei 490 °C über 6 h steigert die Härte von 32 HRC auf bis zu 54 HRC.
  • Volumenänderung beim Härten liegt unter 0,08 % – minimaler Härteverzug bei Funktionsmaßen.
Härte nach Auslagern
50 - 54 HRC
Streckgrenze Rp0.2
1.950 - 2.050 MPa
Zugfestigkeit Rm
2.050 - 2.150 MPa
Härteverzug
< 0,08 %

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Zustand As-Built (nach Druck) Ausgelagert (490 °C / 6 h) Warmarbeitsstahl 1.2343
Härte Rockwell 30 - 35 HRC (gut zerspanbar) 50 - 54 HRC (hochverschleißfest) 50 - 54 HRC
Streckgrenze 1.050 - 1.150 MPa 1.950 - 2.050 MPa 1.450 - 1.600 MPa
Wärmeleitfähigkeit 15 W/(m·K) 20 W/(m·K) 30 W/(m·K) (bessere Kühlung)
Druckvorheizung Keine (Raumtemperatur) Keine 350 - 500 °C zwingend
01

Metallurgisches Prinzip der Martensit-Aushärtung (Maraging)

Der Begriff "Maraging" setzt sich aus Martensit und Aging (Altern) zusammen. Im Gegensatz zu konventionellen Werkzeugstählen entsteht bei der Abkühlung kein spröder Kohlenstoffmartensit, sondern ein zäher Nickel-Eisen-Martensit. Beim anschließenden Altern bei 490 °C scheiden sich intermetallische Nanophasen (Ni3Mo, Ni3Ti, Fe2Mo) kohärent in der Matrix aus. Dies verdoppelt die Streckgrenze auf über 2.000 MPa.

02

Einsatzgrenzen: Spritzguss vs. Druckguss

Für Kunststoffspritzguss mit Kühlkanälen ist 1.2709 perfekt geeignet. Für Aluminium-Druckguss ist er jedoch ungeeignet: Ab 450 °C kommt es zur Überalterung der Ausscheidungen und zum Verlust der Härte. Zudem greift flüssiges Aluminium die nickelreiche Matrix an (Auswaschungen). Hier bleibt Warmarbeitsstahl 1.2343 erste Wahl.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie gut lässt sich additiv gefertigter 1.2709 polieren?
Im ausgehärteten Zustand lässt sich 1.2709 auf optische Hochglanzpolitur (A2 nach SPI) bringen. Für absolute A1-Spiegelflächen erfordert er jedoch sauberes Entpulvern und dichtes Gefüge ohne Mikroporosität.

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