Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-30 ISO/ASTM 52900 Validiert

Reineisen & Fe-Si Legierungen: Weichmagnetische Werkstoffe für E-Motoren

3D-Druck weichmagnetischer Werkstoffe (Reineisen Fe-99.9 % und Silizium-Eisen Fe-Si 6.7 %): Minimale Wirbelstromverluste, hohe Sättigungspolarisation (Bs > 2.0 T), Statoren & Transformatoren.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 10 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Weichmagnetische Werkstoffe auf Eisenbasis (Reineisen mit > 99.8 % Fe sowie hochsilizierte Eisenlegierungen wie Fe-6.7%Si) sind die Schlüsselwerkstoffe für hocheffiziente Elektromotoren, Aktuatoren und Transformatorenkerne. Bislang müssen Statorkerne aus Tausenden isolierten 0.2 mm dünnen Elektroblechen gestanzt und paketiert werden, was den magnetischen Fluss auf 2D-Ebenen begrenzt. Der 3D-Druck via LPBF ermöglicht erstmals echte dreidimensionale magnetische Flussführungen (3D Flux Guiding) und integrierte Wirbelstrombarrieren bei Sättigungsmagnetisierungen von über 2.0 Tesla.

  • Hohe magnetische Sättigungspolarisation: Reineisen erreicht über 2.15 Tesla für maximale Drehmomentdichte.
  • 3D-Flux-Guiding: Überwindet die geometrischen Grenzen geschichteter 2D-Elektroblechpakete.
  • Fe-6.7%Si: Null-Magnetostriktion und minimale Hystereseverluste, konventionell unrollbar wegen Sprödigkeit.
  • Integrierte Isolationsschlitze (0.2 mm Luftspalte) unterdrücken parasitäre Wirbelströme direkt im Druckjob.
Sättigungsmagnetisierung
Bs > 2.0 - 2.15 Tesla
Koerzitivfeldstärke
Hc < 40 - 80 A/m
Siliziumgehalt (Fe-Si)
bis zu 6.7 Gew.-% Si
Relative Dichte
> 99.8 %

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Werkstoff Reineisen (Fe > 99.8 %) Fe-6.7%Si (Hochsiliziert) Klassisches Elektroblech M270-35A
Sättigungspolarisation (Bs) 2.15 Tesla (Maximum) 1.80 Tesla 1.95 Tesla
Wirbelstromverluste Hoch (ohne Schlitzung) Sehr gering (hoher el. Widerstand) Gering (Blechpaket)
Koerzitivfeldstärke (Hc) 30 - 60 A/m (nach Glühen) 20 - 45 A/m 40 - 70 A/m
Verarbeitbarkeit Walzen Sehr gut Unmöglich (extrem spröde) Industriestandard
3D-Geometriefreiheit Vollständig 3D (axial/radial) Vollständig 3D Nur 2D-Blechschichtung
01

Das Dilemma der Wirbelstromverluste und additive Gegenmaßnahmen

In massiven magnetischen Leitern induziert ein magnetisches Wechselfeld kreisförmige Wirbelströme, die das Bauteil aufheizen und den Wirkungsgrad senken. Da 3D-Druckteile massiv sind, nutzt man algorithmisches Design: In den Statorkern werden haarfeine, nicht durchgehende Luftschlitze (Breite 0.15 bis 0.3 mm) eingedruckt. Diese Schlitze unterbrechen den Wirbelstromkreis genauso effektiv wie klassischer Isolierlack zwischen Blechen, erlauben dem Magnetfeld aber dreidimensionalen Fluss.

02

Fe-6.7%Si: Die Traumlegierung der Elektrotechnik

Bei einem Siliziumgehalt von 6.7 Gew.-% erreicht Eisen seine physikalische Perfektion: Die Magnetostriktion sinkt auf exakt Null (Motor brummt nicht mehr akustisch), der elektrische Widerstand steigt drastisch an (Verluste minimiert) und die Hysterese ist extrem schmal. Konventionell lässt sich dieser Werkstoff nicht zu Blechen walzen, da er glashart und spröde ist. Mit LPBF und einer beheizten Bauplatte (300 bis 400 °C) lässt sich Fe-6.7%Si rissfrei direkt in die Endkontur drucken.

03

Hochtemperatur-Magnetglühung zur Korngrößenmaximierung

Im as-built Zustand führen hohe Versetzungsdichten und mikroskopische Eigenspannungen zu einer hohen Koerzitivfeldstärke (schlechte Magnetisierbarkeit). Ein magnetisches Schlussglühen im Vakuum- oder Wasserstoffofen bei 1.100 °C bis 1.250 °C baut Versetzungen ab und lässt die Körner auf über 100 bis 300 µm anwachsen. Erst durch dieses Riesenkorngefüge wird das Material extrem weichmagnetisch (Hc < 40 A/m).

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Schutzgasatmosphäre ist für Reineisen nötig?
Argon 5.0 mit minimalem Sauerstoffgehalt (< 50 ppm). Jedes Sauerstoff- oder Kohlenstoffatom im Eisengitter blockiert die Domänenwandverschiebung und verschlechtert die weichmagnetischen Eigenschaften.
Können auch Axialflussmotoren gedruckt werden?
Ja, speziell für kompakte Axialfluss-E-Maschinen (z. B. in Drohnen und Radnabenantrieben) ist der 3D-Druck weichmagnetischer Kerne revolutionär, da das Magnetfeld 3D durch die Zähne fließen muss.
Gibt es auch Eisen-Kobalt-Legierungen (Fe-Co) im 3D-Druck?
Ja, Eisen-Kobalt (wie Vacoflux 50 mit 49 % Co und 2 % V) erreicht die absolute Weltspitze bei der Sättigung (Bs = 2.35 Tesla). Es wird für Luftfahrtgeneratoren und Satellitenantriebe gedruckt.

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