Werkstoffe & Legierungen W3D-TG-22 ISO/ASTM 52900 Validiert

Refraktärmetalle: Wolfram, Tantal, Molybdän & Niob additiv verarbeiten

Ingenieur-Guide zu Refraktärmetallen im Metall-3D-Druck: Extrem hoher Schmelzpunkt (> 3.000 °C), Strahlungsabschirmung, Kollimatoren und Vakuum-EBM.

Stand: 2026-03-22 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Refraktärmetalle wie Wolfram (Schmelzpunkt 3.422 °C), Tantal (2.996 °C), Molybdän (2.623 °C) und Niob (2.477 °C) besitzen die höchsten Schmelztemperaturen und Dichten aller Metalle. Ihre spanende Bearbeitung per CNC ist extrem teuer und werkzeugmordend. Die additive Fertigung (mittels PBF-EB/M im Vakuum oder Hochtemperatur-LPBF) ermöglicht komplexe Strahlenschutz-Kollimatoren für die Medizintechnik, Fusionsreaktorkomponenten und biokompatible Tantal-Knochenimplantate.

  • Schmelzpunkte bis 3.422 °C und extrem hohe Dichten (Wolfram 19,3 g/cm³) für Strahlenschutz.
  • Duktil-Spröd-Übergangstemperatur (DBTT) von Wolfram liegt bei 200–400 °C – Vorheizung zwingend.
  • Tantal ist hochduktil und hochgradig osseointegrativ – Referenz für poröse Tumorimplantate.
Schmelzpunkt Wolfram
3.422 °C
Dichte Wolfram
19,3 g/cm³
Schmelzpunkt Tantal
2.996 °C
Verfahrensempfehlung
EBM / HT-LPBF

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Metall Schmelzpunkt Dichte Besondere Eigenschaft AM-Herausforderung
Wolfram (W) 3.422 °C 19,3 g/cm³ Höchste Strahlungsabsorption, Röntgenabschirmung Sehr spröde bei Raumtemperatur (DBTT 250 °C)
Tantal (Ta) 2.996 °C 16,6 g/cm³ Herausragende Biokompatibilität & Säurebeständigkeit Sehr hohe Affinität zu Sauerstoff
Molybdän (Mo) 2.623 °C 10,2 g/cm³ Hohe Wärmeleitfähigkeit, Glas- & Halbleiterfertigung Oxidiert flüchtig ab 600 °C
Niob (Nb) 2.477 °C 8,57 g/cm³ Supraleitung, Luft- und Raumfahrt, Kerntechnik Wasserstoffversprödung bei Schweißen
01

Duktil-Spröd-Übergang (DBTT) bei Wolfram

Reines Wolfram ist bei Raumtemperatur extrem spröde: Seine Übergangstemperatur liegt oberhalb von 250 bis 400 °C. Wird Wolfram auf Standard-Lasermaschinen ohne ausreichende Vorheizung geschmolzen, zerspringt das Bauteil beim Erkalten durch thermische Schrumpfspannungen in Tausende Mikrorisse. Erst durch Elektronenstrahlschmelzen (EBM) bei über 800 bis 1.000 °C Bautemperatur oder durch Zulegieren geringer Anteile Rhenium (W-26Re) entstehen rissfreie, dichte Komponenten.

02

Anwendungsfall: Röntgenkollimatoren und Strahlenschutz

In der Computertomographie (CT) und Krebstherapie müssen Röntgenstrahlen gerichtet und Streustrahlung absorbiert werden. Mit 3D-Druck lassen sich sogenannte Anti-Scatter-Grids aus Reinwolfram fertigen: Hauchdünne Gitterwände von unter 100 Mikrometern Wandstärke absorbieren Streustrahlung perfekt und reduzieren die Strahlendosis für Patienten bei schärferen Bildern.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welches Verfahren erreicht die höchste Dichte bei Wolfram?
PBF-EB/M im Vakuum erreicht Dichten von über 99,5 bis 99,8 %. Für filigrane Kleinteile kann auch Binder Jetting mit nachgeschaltetem Hochtemperatur-Sintern (2.000 °C) eingesetzt werden.

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