DIN EN ISO/ASTM 52900: Normative Grundlagen & Prozesskategorien
Basisnorm ISO/ASTM 52900: Die 7 additiven Fertigungskategorien (PBF, DED, BJT, MEX, VPP, MJT, SHL), normative Fachbegriffe, Koordinatensysteme und Schichtbauprinzipien.
Die DIN EN ISO/ASTM 52900 ist das grundlegende normative Fundament der weltweiten additiven Fertigung. Sie harmonisiert die internationale Fachterminologie und beendet das babylonische Sprachgewirr geschützter Markennamen (wie SLM, DMLS, Cusing, EBM oder LENS). Die Norm klassifiziert sämtliche additiven Fertigungsverfahren in exakt sieben verfahrenstechnische Hauptkategorien. Darüber hinaus definiert sie verbindliche Maschinen-Koordinatensysteme, Ausrichtungsregeln und Standardbegriffe von der Baukammer bis zum Post-Processing.
- Verbindliche Definition der 7 genormten AM-Verfahrenskategorien nach ISO/ASTM.
- Ersetzt proprietäre Herstellernamen (SLM, DMLS) durch neutrale Normbezeichnungen (PBF-LB/M).
- Definiert das kartesische Maschinen-Koordinatensystem (Z-Achse stets parallel zur Bauplattformnormalen).
- Basisdokument für alle Ausschreibungen, Technische Lieferbedingungen und Werknormen.
Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich
ISO/ASTM 52900| Verfahrenskategorie nach ISO/ASTM 52900 | Offizielle Abkürzung | Typische Markennamen (Beispiele) | Energiequelle / Binder |
|---|---|---|---|
| Powder Bed Fusion (Pulverbett) | PBF-LB/M (Laser) / PBF-EB/M (Elektronen) | SLM, DMLS, LaserCusing, EBM | Faserlaser, Diodenlaser, Elektronenstrahl |
| Directed Energy Deposition (Auftragschweißen) | DED-LB (Laser) / DED-Arc (Lichtbogen) | LMD, Laser Cladding, WAAM, Meltio | Laser, Lichtbogen (CMT), Plasma, Elektronen |
| Binder Jetting (Bindereindüsung) | BJT-M (Metalle) | ExOne, Desktop Metal, HP Metal Jet | Flüssiges organisches Bindemittel + Ofen |
| Material Extrusion (Extrusion) | MEX-M (Metallfilamente) | Markforged Metal X, BASF Ultrafuse | Thermoplastisches Filament mit Schmelzdüse |
| Vat Photopolymerization (Badpolymerisation) | VPP-M (Metall-Schlicker) | Lithoz LMM, Incus, Admatec | UV-Licht / DLP Projektor + Ofen |
| Sheet Lamination (Schichtlaminierung) | SHL-U (Ultraschall) | Fabrisonic UAM (Ultrasonic AM) | Ultraschall-Sonotrode (20 kHz) |
Warum Normbegriffe Rechtssicherheit schaffen
In industriellen Lieferverträgen führten Herstellernamen früher zu Rechtsunsicherheiten: Wenn in einer Zeichnung "SLM" gefordert war, durfte ein Zulieferer mit einer EOS-Maschine ("DMLS") formell nicht fertigen, obwohl physikalisch dasselbe Verfahren gemeint war. Mit der ISO 52900 fordern Zeichnungen neutral "PBF-LB/M nach ISO/ASTM 52900". Dies sichert Wettbewerbsneutralität und Rechtssicherheit.
Das standardisierte Koordinatensystem nach ISO 52900
Die Norm legt unmissverständlich fest: Die Z-Achse ist stets die Achse, die senkrecht auf den Bauschichten steht (Wachstumsrichtung). Die X-Achse verläuft horizontal in Hauptbewegungsrichtung des Beschichters oder Portalwagens. Drehwinkel um diese Achsen werden als Alpha, Beta, Gamma definiert. Damit ist die Ausrichtung von Prüfkörpern und Bauteilen in jedem CAD/CAM-System weltweit identisch dokumentiert.
Begriffsabgrenzung: 3D-Druck vs. Additive Manufacturing
Umgangssprachlich wird der Begriff "3D-Druck" für alles verwendet. Die Norm unterscheidet präzise: "3D-Druck" beschreibt vor allem die Basistechnologie oder Geräte im Prototypen- und Konsumerbereich. "Additive Fertigung" (Additive Manufacturing, AM) ist der Überbegriff für den professionellen, industriellen Fertigungsprozess nach strengen Qualitätskriterien.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet der Zusatz "LB/M"?
Wie wird WAAM nach ISO 52900 bezeichnet?
Welche Norm regelt die Datenaustauschformate?
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