Anwendungen & Wirtschaftlichkeit W3D-APP-09 ISO/ASTM 52900 Validiert

Kühlkanaldimensionierung im Werkzeugbau: Reynoldszahl & Druckverlust

Fluidmechanische Auslegung konturnaher Kühlkanäle im 3D-Druck: Turbulente Strömung (Re > 10.000), Druckverlustberechnung nach Darcy-Weisbach, Zykluszeitreduktion um 40 %.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 10 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Die additive Fertigung (LPBF) befreit den Werkzeug- und Formenbau von den geometrischen Fesseln linearer Tieflochbohrungen. Kühlkanäle können als bionische Freiformkurven exakt im konstanten Abstand von 2 bis 6 mm zur formgebenden Kavität geführt werden. Der thermische Erfolg steht und fällt jedoch mit der strömungsmechanischen Dimensionierung: Nur bei voll turbulenter Kühlmittelströmung (Reynolds-Zahl Re > 8.000 bis 10.000) reißt die thermische Grenzschicht ab und garantiert maximale Wärmeübertragung ohne Hotspots oder Verzug.

  • Turbulente Strömung (Re > 10.000) verdreifacht den Wärmeübergangskoeffizienten gegenüber laminarer Strömung.
  • Druckverlust-Minimierung nach Darcy-Weisbach verhindert Kavitation und Überlastung der Temperiergeräte.
  • Gleichmäßige Werkzeugwandtemperatur (Delta-T < 2 °C) eliminiert Bauteilverzug bei teilkristallinen Kunststoffen.
  • Zykluszeitreduktion im Kunststoffspritzguss von typischerweise 25 bis 45 % amortisiert den 3D-Druck in wenigen Monaten.
Ziel-Reynoldszahl
Re = 8.000 - 15.000 (turbulent)
Zykluszeitersparnis
25 bis 45 % Reduktion
Wandabstand Kontur
2.5 bis 5.0 mm
Max. Druckverlust
< 1.5 - 2.0 bar pro Kreis

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Strömungsregime Laminare Strömung (Re < 2.300) Turbulente Strömung (Re > 10.000) Kavitation (Überhöhte Geschwindigkeit)
Wärmeübergangskoeffizient Alpha 200 - 600 W/(m2*K) (schlecht) 2.500 - 6.000 W/(m2*K) (optimal) Sehr hoch, aber erosiv
Grenzschichtdicke Fluid Dick (wirkt als Wärmeisolator) Aufgerissen / minimal Zerstört
Erforderliche Fließgeschw. < 0.8 m/s 1.8 - 3.5 m/s > 6.0 m/s (Gefahr von Rohrerosion)
Kühlzeit im Spritzguss Lang (hohe Ausschussrate) Minimal (schnelle Erstarrung) Unwirtschaftlich durch Pumpenlast
Werkzeug-Temperaturprofil Starke Hotspots / ungleichmäßig Nahezu isotherm (Delta-T < 2 °C) Starke Druckschwankungen
01

Hydrodynamik nach Darcy-Weisbach und Kanalquerschnittswahl

Der Druckverlust Delta-p berechnet sich nach der Darcy-Weisbach-Gleichung unter Berücksichtigung des Rohrreibungsbeiwertes Lambda und der Kanalrauheit. Rohe 3D-Druck-Innenflächen besitzen eine natürliche Rauheit (Ra 8 bis 15 µm). Diese Rauheit fördert die Verwirbelung (Turbulenz), erhöht aber den Druckverlust. Optimale Kanalquerschnitte sind tropfenförmig (Self-Supporting Teardrop) oder oval: Sie lassen sich ohne Stützstrukturen drucken und bieten einen strömungsgünstigen hydraulischen Durchmesser von 4 bis 8 mm.

02

Thermisches Gleichgewicht gegen Bauteilverzug bei Polypropylen und Polyamid

Bei teilkristallinen Kunststoffen (PP, PA66, POM) entscheidet die lokale Abkühlrate über den Kristallisationsgrad und das Schwindungsverhalten. Kühlen Kerne langsamer ab als die Außenwand, verzieht sich das Spritzgussteil krumm. Konturnahe Kühlkanäle führen die Wärme an dicken Materialanhäufungen konzentriert ab. Das Bauteil erstarrt vollkommen symmetrisch: Ausschussraten durch Verzug sinken von 15 % auf unter 0.5 %.

03

Wirtschaftlichkeitsrechnung: Wann rechnet sich der additive Formeinsatz?

Ein additiver Formeinsatz aus Maraging-Stahl 1.2709 kostet ca. 4.000 bis 8.000 Euro mehr als ein gebohrter Block. Sinkt die Zykluszeit eines Automobil-Steckverbinders bei einer Jahresstückzahl von 3 Millionen Teilen um nur 3 Sekunden, spart der Betreiber Hunderte Maschinenstunden auf der Spritzgussmaschine ein. Die Mehrkosten des 3D-Drucks sind häufig nach 6 bis 12 Wochen vollständig amortisiert.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welcher Abstand zwischen Kühlkanal und Formwand ist optimal?
Als Faustregel gilt: Kanaldurchmesser d = 4 bis 6 mm; Abstand zur Kavität = 1.0 bis 1.5 * d (also ca. 4 bis 8 mm). Ein zu geringer Abstand (< 2 mm) birgt die Gefahr von Ermüdungsrissen unter Spritzgussdrücken von über 1.500 bar.
Verstopfen konturnahe Kühlkanäle durch Rost oder Kalk?
Verwendet man korrosionsbeständige Stähle (wie 17-4 PH oder Corrax) und geschlossene Temperierkreisläufe mit deionisiertem Wasser und Glykol-Korrosionsinhibitoren, sind Kanäle über Millionen Zyklen wartungsfrei.
Können konturnahe Kanäle gereinigt werden?
Ja, mittels zyklischer chemischer Spülung (Entkalkungslösungen) oder durch fluidmechanische Kavitationsspülung (Impulsspülgeräte).

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