Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-22 ISO/ASTM 52900 Validiert

HSS M2 (1.3343): Schnellarbeitsstahl für Zerspanungswerkzeuge

Schnellarbeitsstahl HSS M2 (1.3343 / AISI M2) im 3D-Druck: Bis zu 66 HRC Warmhärte, Wolfram-Molybdän-Karbide, Hochtemperatur-Vorheizung gegen Rissbildung, Fräser & Räumnadeln.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 10 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

HSS M2 (Werkstoffnummer 1.3343 / HS6-5-2C / AISI M2) ist der meistverbreitete Schnellarbeitsstahl für hochbelastete Zerspanungswerkzeuge (Fräser, Bohrer, Gewindebohrer, Räumnadeln) und Kaltumformwerkzeuge. Der hohe Gehalt an Kohlenstoff (0.9 %), Wolfram (6.4 %), Molybdän (5 %) und Vanadium (1.9 %) erzeugt extrem harte Karbide und eine herausragende Warmhärte (Rotglutbeständigkeit bis 600 °C). Im 3D-Druck erfordert HSS M2 zwingend Hochtemperatur-Bauplattenvorheizungen von 400 °C bis 600 °C, belohnt den Fertiger jedoch mit Härtewerten von über 65 HRC nach dem Anlassen.

  • Härtewerte von 63 bis 66 HRC nach Mehrfach-Anlassen für höchste abrasive Standzeiten.
  • Warmhärte (Rotgluthärte): Behält bis 600 °C Schärfe und Schnittkantenstabilität.
  • Zwingender Einsatz von 400 °C bis 600 °C Bauplattenvorheizung zur Vermeidung von Querrissen.
  • Ermöglicht Zerspanungswerkzeuge mit innenliegenden Kühlmittelkanälen direkt an der Schneidkante.
Härte nach Anlassen
63 - 66 HRC
Warmhärtegrenze
bis 600 °C
Vorheiztemperatur
450 - 600 °C
Karbidgehalt
~12 - 15 Vol.-%

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Eigenschaft HSS M2 (LPBF + HT) HSS M2 (konventionell gewalzt) 1.2709 (Maraging 300)
Kohlenstoffgehalt 0.85 - 0.95 % C 0.85 - 0.95 % C < 0.03 % C
Endhärte 64 - 66 HRC 63 - 65 HRC 52 - 56 HRC
Karbidverteilung Extrem fein (< 1 µm) Zeilig / grob (5 - 15 µm) Keine Karbide (Intermetallik)
Rotgluthärte (550 °C) 58 - 60 HRC 56 - 58 HRC < 40 HRC (Erweichung)
Verschleißwiderstand Exzellent Sehr gut Mittelmäßig
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Erstarrungsmorphologie: Feinstverteilte Primärkarbide

Konventionell hergestellter HSS leidet unter groben, zeiligen Karbidbändern, die als Sollbruchstellen wirken. Durch die extrem schnellen Erstarrungsraten im Laser-Schmelzbad (10^5 K/s) scheiden sich die M6C- und MC-Karbide (Vanadin- und Wolframkarbide) ultrafein und isotrop im Submikrometerbereich ab. Dies führt zu einer höheren Zähigkeit bei gleicher Härte im Vergleich zu Guss- oder Walzmaterial.

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Hochtemperatur-Vorheizung als Schlüssel zur Rissfreiheit

Aufgrund des hohen Kohlenstoffgehalts liegt die Martensit-Starttemperatur (Ms) von HSS M2 bei ca. 180 °C, die Martensit-Finish-Temperatur (Mf) unterhalb Raumtemperatur. Ohne Vorheizung wandelt das Gefüge während des Baus schlagartig unter Volumenzunahme um – die Bauteile reißen unweigerlich. Eine Vorheizung der Bauplatte auf 450 bis 550 °C hält das Material während des gesamten Baujobs im zähen Austenitbereich.

03

Innengekühlte Sonderfräser und Tieflochbohrer

Mit konventioneller Fertigung lassen sich Kühlkanäle nur linear bohren. Mit LPBF werden Schaftfräser gedruckt, deren Kühlkanäle spiralförmig exakt hinter jeder Schneidkante verlaufen. Kühlschmierstoff tritt unter 100 bar Druck direkt an der Schnittzone aus, kühlt die Schneide und spült Späne sofort ab. Standzeiten steigen um das 2- bis 4-Fache.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie sieht der Wärmebehandlungszyklus für additiven HSS M2 aus?
Nach dem Bau erfolgt Lösungsglühen / Austenitisieren bei 1.180 bis 1.220 °C mit Schutzgasabschreckung, gefolgt von dreimaligem Anlassen bei 540 bis 560 °C für je 2 Stunden (Sekundärhärtung).
Kann HSS M2 auch mit Draht-DED geschweißt werden?
Wegen der extremen Rissneigung ist Drahtschweißen von reinem HSS sehr schwierig. Meist werden Pulvermischungen im Laser-DED für lokale Panzerungen auf Stahlträger aufgetragen.
Welche Schutzgasatmosphäre ist erforderlich?
Reinstes Argon 5.0 mit Restsauerstoff unter 50 ppm, um Entkohlung der Randzonen und Karbidoxidation zu verhindern.

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