Verfahren & Technologien W3D-TG-16 ISO/ASTM 52900 Validiert

PBF-EB/M: Vakuum-Elektronenstrahlschmelzen für Hochtemperatur-Werkstoffe

Ingenieur-Leitfaden zu PBF-EB/M (Electron Beam Melting): Vakuum-Prozess (10⁻⁴ mbar), 1.000 °C Bauraumvorheizung, TiAl und rissfreie Refraktärmetalle.

Stand: 2026-03-22 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Das Elektronenstrahlschmelzen im Pulverbett (PBF-EB/M / EBM) konsolidiert Metallpulver unter Hochvakuum (10⁻⁴ bis 10⁻⁵ mbar) mittels eines hochenergetischen Elektronenstrahls. Durch elektromagnetische Ablenkung scannt der Strahl nahezu trägheitslos mit bis zu 10.000 m/s. Da das gesamte Pulverbett auf 650 bis 1.100 °C vorgeheizt wird, entstehen Bauteile frei von thermischen Eigenspannungen – ideal für spröde Werkstoffe wie Titanaluminid (TiAl) und Reinwolfram.

  • Hochvakuum garantiert reinstes Gefüge ohne Verunreinigung durch Sauerstoff oder Feuchtigkeit.
  • Vorheizung auf bis zu 1.100 °C eliminiert Eigenspannungen und ermöglicht spannungsfreie Großbauteile.
  • Referenztechnologie für orthopädische Titanimplantate (Osseointegration) und Turbinenschaufeln aus TiAl.
Vakuumdruck
10⁻⁴ mbar
Vorheiztemperatur
bis 1.100 °C
Scangeschwindigkeit
bis 10.000 m/s
Strahlleistung
3 - 6 kW

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Eigenschaft PBF-EB/M (Elektronenstrahl) PBF-LB/M (Laser)
Atmosphäre Hochvakuum (10⁻⁴ mbar) Schutzgas (Argon / Stickstoff bei 1 bar)
Schmelzbad-Kinetik Leichtes Vorintern des Betts gegen Smoke Schutzgasströmung saugt Schmauch ab
Eigenspannungen Praktisch null (In-situ Wärmebehandlung) Sehr hoch (Stützen zwingend erforderlich)
Oberflächenrauheit Ra 20 - 45 µm (gröberes Pulver 45-105 µm) 3 - 12 µm (feineres Pulver 15-45 µm)
Werkstoffschwerpunkte Ti-6Al-4V ELI, TiAl, CoCr, Wolfram, Tantal Edelstahl, Alu, Nickel, Werkzeugstahl, Titan
01

Elektromagnetische Strahlführung und Multi-Beam-Scanning

Während Laser auf mechanische Galvanometer-Spiegel angewiesen sind, wird der Elektronenstrahl rein durch elektromagnetische Linsen und Spulen abgelenkt. Dadurch kann der Strahl in Mikrosekunden zwischen Hunderten von Punkten springen. Dies erlaubt das simultane Warmhalten der Bauplatte, das lokale Vorwärmen des Pulvers und das gleichzeitige Schmelzen mehrerer Konturen ohne mechanische Totzeiten.

02

Das Phänomen "Smoke" und die Vorwärmung des Pulvers

Treffen Elektronen auf elektrisch isoliertes Pulver, laden sich die Partikel negativ auf. Übersteigt die elektrostatische Abstoßungskraft die Schwerkraft, explodiert das Pulverbett schlagartig ("Smoke-Effekt"). Um dies zu verhindern, scannt der Strahl jede Schicht zunächst diffus mit geringer Energie ab, um das Pulver leicht zusammenzusintern und elektrisch leitfähig zu machen, bevor die Kontur aufgeschmolzen wird.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum haben EBM-Bauteile eine rauere Oberfläche als Laser-PBF?
Um den Smoke-Effekt zu minimieren und hohe Schichtdicken (50-100 µm) schnell zu verarbeiten, nutzt EBM gröbere Pulverfraktionen (45-105 µm). Funktionsflächen müssen daher spanend überarbeitet werden.

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