Qualität & Post-Processing W3D-QMS-27 ISO/ASTM 52900 Validiert

Schutzgasströmung im LPBF: Laminarität, Schmauch & Spritzerabtransport

Strömungsauslegung der Schutzgasführung im LPBF: Laminarer Querstrom, Reynolds-Zahl, Vermeidung von Rezirkulationswirbeln, optische Absorption durch Schmauchwolken.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Die aerodynamische Schutzgasführung über dem Pulverbett ist einer der am meisten unterschätzten Einflussfaktoren auf die Bauteilqualität im selektiven Laserschmelzen (LPBF). Ein unzureichender oder turbulenter Schutzgasstrom führt dazu, dass Metalldampfschmauch in der optischen Achse des Lasers verharrt: Der Laserstrahl wird gestreut, verliert bis zu 30 % seiner Energie und defokussiert. Schlimmer noch: Schmelzspritzer fallen zurück auf belichtete Konturen und erzeugen gravierende Bindefehler. Modernste Anlagen nutzen CFD-optimierte Düsenwände zur Erzeugung vollkommen homogener, laminarer Querströmungen.

  • Laminare Strömung (Reynolds-Zahl Re < 2.000) verhindert Verwirbelungen und Rückfall von Spritzern.
  • Gleichmäßige Gasgeschwindigkeit (1.5 bis 3.0 m/s) über die gesamte Bauplatte sichert ortsunabhängige Qualität.
  • Vermeidet Laserleistungsabfall durch Schmauchabsorption: Bis zu 25 % Energieverlust bei stehendem Schmauch.
  • CFD-optimierte Gasauslass- und Absauggitter verhindern Totzonen in den Ecken großer Multi-Laser-Bauräume.
Strömungsgeschw.
1.5 - 3.0 m/s (homogen)
Reynolds-Zahl
Re < 2.000 (Laminar)
Laser-Absorption
< 2 % bei sauberem Gas
Geschwindigkeitsdrift
< 10 % über gesamte Platte

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Strömungsregime Laminare Querströmung (Optimal) Turbulente Strömung (Fehlerhaft) Totzone / Strömungsabriss
Gasgeschwindigkeit Gleichmäßig 2.0 m/s Stark schwankend (> 4.5 m/s) < 0.5 m/s (stehende Wolke)
Spritzerabtransport Zuverlässig in Absaugschlitz Spritzer wirbeln kreuz und quer Spritzer fallen direkt ins Bett
Schmauchwolke Flach und sofort abgeführt Verwirbelt im Baufeld Steht über Schmelzbad (Laserblockade)
Dichtevariation Bauteil < 0.05 % über Baufeld Starke lokale Schwankungen Hohe Porosität
Pulverausblasung Keine (Grenzschicht stabil) Gefahr von Pulverabtrag am Rand Keine
01

CFD-Auslegung: Das Problem der Grenzschichtdicke und Rezirkulation

Mittels numerischer Strömungsmechanik (CFD) wird der Gaskanal modelliert. An der festen Pulverbettoberfläche bildet sich eine strömungsmechanische Grenzschicht aus, in der die Gasgeschwindigkeit auf Null abfällt. Ist die Grenzschicht zu dick, verharrt der Schmauch in dieser Kriechzone. Ist die Geschwindigkeit zu hoch (> 4 m/s), wird das lose Metallpulver von der Klinge weggeblasen. Optimale Düsen erzeugen ein flaches Profil mit scharfer Geschwindigkeitsfront bei ca. 2.2 m/s.

02

Laserstreckendämpfung: Rayleigh- und Mie-Streuung an Nanopartikeln

Kondensierender Metalldampf besteht aus Partikeln im Größenbereich von 50 bis 200 nm – exakt passend zur Wellenlänge von Faserlasern (1.064 nm). Dies führt zu intensiver Rayleigh- und Mie-Streuung. Der Laserstrahl verliert Energie und sein Fokus wird aufgeweitet. Das Schmelzbad schrumpft überraschend, was zu unerklärlichen Bindefehlern führt. Nur eine perfekte Gasströmung hält den Strahlengang zu 100 % optisch transparent.

03

Zonierte Gaskaskaden in Multi-Laser-Großraumanlagen

In Großraum-Anlagen (z. B. 600 x 600 mm Baufeld) reicht eine einfache Wanddüse nicht mehr aus, da das Gas über 600 mm Weglänge abgebremst wird und Schmauch ansammelt. Neueste Systeme nutzen kaskadierte Gaseinlässe oder segmentierte Absaugkanäle im Baufeldboden, die das Schutzgas alle 200 mm erneuern.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

In welcher Richtung sollte der Laser relativ zum Gasstrom scannen?
Vorzugsweise gegen den Gasstrom (Upstream Scanning). Dadurch fährt der Laser stets in frisches, ungetrübtes Schutzgas hinein, während der Schmauch nach hinten weggeblasen wird.
Wie misst man die Strömungsgeschwindigkeit auf dem Pulverbett?
Mittels Hitzdrahtanemometern oder Flügelradsensoren, die an mehreren Positionen der Bauplatte platziert werden, sowie über Rauchgaskameras (Schlieren-Optik).
Welches Gas strömt aerodynamisch besser: Argon oder Stickstoff?
Stickstoff besitzt eine geringere Dichte als Argon und verhält sich strömungsmechanisch agiler. Argon ist schwerer und neigt in Ecken eher zu Totzonenbildung, schützt aber reaktive Metalle besser.

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