Anwendungen & Wirtschaftlichkeit W3D-APP-22 ISO/ASTM 52900 Validiert

Make or Buy im Metall-3D-Druck: Eigene Anlage vs. Lohnfertiger

Entscheidungsmatrix Make or Buy für metallischen 3D-Druck: Capex vs. Opex, Auslastungsschwellen, Personalkompetenz, Infrastrukturkosten, Lohnfertigerauswahl.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 10 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Die Frage "Eigene Metall-3D-Druckanlage kaufen oder über qualifizierte Lohnfertiger zukaufen?" entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg additiver Strategien im Mittelstand. Viele Unternehmen unterschätzen, dass die Anschaffung einer LPBF-Maschine (300.000 bis 800.000 Euro) nur etwa 50 % der Gesamtkosten ausmacht: Peripheriegeräte (Entpulverstation, Bandsäge/WEDM, Wärmebehandlungsofen), baulicher Explosionsschutz (ATEX) und qualifiziertes Bedienpersonal erfordern erhebliche Zusatzinvestitionen. Dieser Leitfaden liefert CFOs und Fertigungsleitern einen transparenten Break-Even-Berechnungsrahmen.

  • Break-Even-Schwelle: Eine eigene LPBF-Anlage rechnet sich meist erst ab einer Maschinenauslastung von > 55 bis 65 %.
  • Versteckte Infrastrukturkosten: Peripherie und bauliche Maßnahmen (ATEX, Schutzgas) kosten 150.000 bis 300.000 Euro zusätzlich.
  • Personal-Flaschenhals: Mindestens ein Vollzeit-Experte für Datenaufbereitung, Pulverhandling und QS zwingend erforderlich.
  • Hybride Strategie: Prototyping und Nischenlegierungen beim Dienstleister; Großserie auf eigener Inhouse-Anlage.
Break-Even Auslastung
> 55 - 65 % Nutzungsgrad
Infrastruktur-Zuschlag
+40 bis 60 % auf Maschinenpreis
Personalbedarf
1 - 2 Vollzeit-Fachkräfte
Typische Investition
450.000 - 950.000 € Gesamtkosten

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Kriterium Eigene Inhouse-Anlage (Make) Zukauf über Lohnfertiger (Buy) Hybridmodell (Mischstrategie)
Kapitalinvestition (Capex) Sehr hoch (500.000 - 1.000.000 €) 0 Euro (reine Stückkosten / Opex) Gezielte Investition in Standardprozess
IP-Schutz / Know-How 100 % intern im Unternehmen Sensible CAD-Daten verlassen das Haus Kernkompetenz intern, Überlauf extern
Lieferzeit für Bauteile Ultraschnell (24 - 48 h möglich) 2 bis 4 Wochen (Auftragsstau Dienstleister) Flexibel steuerbar
Werkstoffflexibilität Starr (Maschine auf 1-2 Pulver fixiert) Beliebig (Dienstleister haben 20+ Legierungen) Intern Standard (z. B. 316L), extern Titan
Technologierisiko Veralterung nach 4-6 Jahren beim Betreiber Dienstleister modernisiert seinen Maschinenpark Gering
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Die versteckten Kosten der Inhouse-Infrastruktur

Der reine Drucker druckt nur rohe Schüttgutteile. Für eine funktionsfähige Fertigungszelle werden zusätzlich benötigt: 1. Explosionsgeschützte Entpulverungskabine (30.000 - 60.000 €); 2. Ultraschall-Siebstation (15.000 - 25.000 €); 3. Bandsäge oder Drahterodiermaschine zur Plattenabtrennung (40.000 - 120.000 €); 4. Schutzgas-Vakuumofen für Spannungsarmglühen (60.000 - 150.000 €); 5. ATEX-Belüftungs- und Sauerstoffwarnsystem (20.000 - 50.000 €).

02

Berechnung der realen Maschinenstundensätze

Bei einer 5-Jahres-Abschreibung, Wartungsverträgen (oft 30.000 bis 50.000 € pro Jahr), Schutzgas- und Stromkosten sowie Personalkosten liegt der reale Stundensatz einer 400-W-LPBF-Anlage bei ca. 55 bis 85 Euro pro Stunde bei 80 % Auslastung. Sinkt die Auslastung auf nur 30 % (typisch bei Unternehmen, die die Maschine nur gelegentlich für Prototypen nutzen), schießt der Stundensatz auf über 180 Euro – der Zukauf beim Dienstleister wäre um ein Vielfaches günstiger.

03

Entscheidungsmatrix: Wann "Make" zwingend geboten ist

Ein Inhouse-Kauf ist zwingend sinnvoll, wenn: 1. Strengste Geheimhaltung (z. B. F&E-Projekte, Formel 1, Rüstung) das Versenden von CAD-Dateien verbietet; 2. Iterationszyklen im Tagesrhythmus laufen müssen (Drucken, Testen, Ändern in 48 Stunden); 3. Eine feste Legierung in kontinuierlicher Serienproduktion gefertigt wird, die mindestens 3.500 Betriebsstunden pro Jahr auslastet.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele verschiedene Legierungen kann man auf einer Maschine fahren?
Aus wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Gründen sollte eine LPBF-Maschine dauerhaft mit derselben Legierung betrieben werden. Ein Materialwechsel erfordert 2 bis 3 Tage vollständige Reinigung der gesamten Kammer, Filter und Gasleitungen.
Wie qualifiziert man einen zuverlässigen Lohnfertiger?
Achten Sie auf Zertifizierungen nach ISO 9001 und vorzugsweise DIN EN ISO/ASTM 52920 oder EN 9100, lückenlose Pulverchargen-Nachweise, Inhouse-Wärmebehandlung und akkreditierte ZfP-Prüfungen.
Gibt es Leasing- oder Pay-per-Part-Modelle für Maschinen?
Ja, mehrere Maschinenhersteller bieten Betreibermodelle an, bei denen eine Grundgebühr plus ein variabler Stundensatz nach tatsächlicher Laserbelichtungszeit abgerechnet wird.

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