AM-Lohnfertiger auswählen: Audit-Leitfaden & Checkliste für den Einkauf
Leitfaden zur Auswahl von 3D-Druck-Lohnfertigern: Qualitätsaudit-Checkliste, Zertifizierungen (ISO 9001, EN 9100, ISO 13485), Pulver-Rückverfolgbarkeit, ZfP-Kompetenz.
Die Auslagerung metallischer 3D-Druck-Aufträge an spezialisierte Lohnfertiger (Contract Manufacturers / Service Bureaus) ist für viele Unternehmen der wirtschaftlichste Einstieg in die additive Fertigung. Doch die Qualitätsunterschiede im Markt sind gewaltig: Ein Dienstleister mit unzureichendem Pulverqualitätsmanagement, veralteten Maschinen oder fehlender Inhouse-Wärmebehandlung liefert poröse, rissanfällige Bauteile, die im Betrieb versagen. Dieser Leitfaden liefert Einkaufs- und Qualitätsleitern eine praxiserprobte Audit-Checkliste mit 25 Kriterien zur sicheren Bewertung und Qualifizierung von AM-Lieferanten.
- Zertifizierungscheck: ISO 9001 ist Basispflicht; für Luftfahrt EN 9100/Nadcap, für Medizin ISO 13485 zwingend.
- Inhouse-Fertigungstiefe: Prüfen Sie, ob Wärmebehandlung, WEDM und CNC-Nacharbeit im eigenen Haus erfolgen.
- Pulver-Pedigree: Verlangen Sie Nachweise über Siebzyklen, Restgasanalysen und Neupulver-Mischquoten.
- ZfP-Kompetenz: CT-Scans und Schliffbildanalysen müssen durch akkreditierte Prüflabore zertifiziert sein.
Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich
ISO/ASTM 52900| Audit-Kategorie | K.O.-Kriterium (Muss-Anforderung) | Best-Practice-Level (Exzellenter Partner) |
|---|---|---|
| Qualitätsmanagement | Gültiges ISO 9001 Zertifikat | Branchenspezifisch: EN 9100, IATF 16949, ISO 13485, Nadcap |
| Pulvermanagement | Getrennte Lagerung nach Werkstoff | Automatisierte Siebung unter Schutzgas, O2/N2-Messprotokolle |
| Maschinenpark | Moderne Industrie-LPBF-Anlagen | Multi-Laser-Systeme, optische Tomographie / In-situ Monitoring |
| Wärmebehandlung | Dokumentierter Ofenzyklus vorhanden | Eigene Schutzgas-Vakuumöfen mit kalibrierten Temperaturschreibern |
| Mechanische Nacharbeit | Zugang zu Fräsdienstleistern | Eigene 5-Achs-CNC-Fräszentren mit Best-Fit-Antastung |
| Qualitätsprüfung | Zeugnis 2.2 / Maßbericht manuell | Werksabnahmezeugnis 3.1, 100 % CT-Prüfung, Schliffbildarchiv |
Die 5 Kernfragen des Vor-Ort-Lieferantenaudits
Führen Sie das Audit immer vor Ort durch und stellen Sie diese Fragen: 1. "Zeigen Sie mir das Pulverlogbuch für die Charge dieses Bauteils!"; 2. "Wie wird das Pulver vor Feuchtigkeit geschützt?"; 3. "Wie oft wird die Laserleistung an der Bauplatte kalibriert?"; 4. "Erfolgt das Spannungsarmglühen vor dem Trennen von der Bauplatte?"; 5. "Welche Qualifikation besitzt das Bedienpersonal (z. B. IWS / EWF-Zertifikate für additive Fertigung)?"
Inhouse-Fertigungstiefe vs. verlängerte Werkbank
Viele Dienstleister besitzen nur den 3D-Drucker und vergeben Glühen, Sägen, Fräsen und Messen an externe Firmen weiter. Dies vervierfacht die Lieferzeit und verwässert die Verantwortungskette: Geht ein Maß verloren, schiebt der Fräser die Schuld auf den 3D-Drucker. Bevorzugen Sie Lohnfertiger mit hoher vertikaler Integration (Full-Service-Provider), die den gesamten Prozess vom Druck bis zur fertigen CMM-Messung unter einem Dach vereinen.
Musterbaujobs und Erstmusterprüfberichte (EMPB / PPAP)
Geben Sie vor der Serienfreigabe immer einen Benchmark-Prüfjob in Auftrag: Er sollte Überhänge, dünne Wände, Gewindekerne und mitgedruckte Zugproben enthalten. Verlangen Sie einen vollständigen Erstmusterprüfbericht nach VDA Band 2 oder EN 9102 inklusive metallografischem Schliffbild und Zugversuchsergebnissen. Besteht der Dienstleister diesen Benchmark, ist er serienreif.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie werden Reklamationen bei Maßabweichungen geregelt?
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