Werkstoffe & Legierungen W3D-TG-06 ISO/ASTM 52900 Validiert

Inconel 718 in der additiven Fertigung: Superlegierung für extreme Bedingungen

Ingenieur-Guide für Inconel 718 (2.4668): Schweißbarkeit, Ausscheidungshärtung (Gamma''), Laves-Phasen, LPBF-Parameter und DED-Auftrag.

Stand: 2026-03-20 Lesezeit: 8 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Inconel 718 (Werkstoffnummer 2.4668 / UNS N07718) ist eine aushärtbare Nickel-Chrom-Eisen-Molybdän-Superlegierung, die bis 650 °C extrem hohe Streckgrenzen, Kriech- und Bruchfestigkeiten sowie hervorragende Oxidationsbeständigkeit aufweist. Durch ihren hohen Niob-Gehalt bildet sie kohärente Gamma''-Ausscheidungen aus. In der additiven Fertigung gilt sie im Vergleich zu anderen Superlegierungen als gut schweißbar, verlangt jedoch ein genaues Wärmebehandlungsregime zur Auflösung spröder Laves-Phasen.

  • Hervorragend schweißbar dank langsamer Ausscheidungskinetik der tetragonalen Ni3Nb Gamma''-Phase.
  • Lösungsglühen bei 1.065 °C ist zwingend, um spröde Laves-Phasen (Niob-Seigerung) vollständig aufzulösen.
  • Zweistufige Auslagerung (720 °C / 620 °C) erzeugt volle Härte von 44–47 HRC für Dauereinsatz bis 650 °C.
Zugfestigkeit Rm
1.350 - 1.480 MPa
Härte nach Härtung
44 - 47 HRC
Einsatzgrenze Last
bis 650 °C
Luftfahrtnorm
AMS 5662 / 5663

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Eigenschaft As-Built Zustand (LPBF) Nach Lösungsglühen & 2-Stufen-Auslagerung (AMS 5662)
Streckgrenze Rp0.2 750 - 850 MPa 1.100 - 1.250 MPa
Zugfestigkeit Rm 950 - 1.050 MPa 1.350 - 1.480 MPa
Bruchdehnung A 15 - 25 % 12 - 18 %
Härte (Rockwell) 30 - 34 HRC 42 - 47 HRC
Dichte 8.19 g/cm³ 8.19 g/cm³
Max. Einsatztemperatur Bis 650 °C unter Last Bis 650 °C unter Volllast
Verfahrenseignung LPBF, Laser-DED (Draht/Pulver), BJT Erfordert stets definierte Ofenzyklen
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Warum Inconel 718 für AM prädestiniert ist

Viele Nickelbasis-Superlegierungen (wie CM247LC, Rene 77 oder Mar-M247) neigen beim Schweißen und additiven Drucken zu Heißrissen und Erstarrungsrissen. Inconel 718 verdankt seine exzellente AM-Eignung der langsamen Ausscheidungskinetik der tetragonalen Ni3Nb-Phase (Gamma''). Da die Aushärtung während der schnellen Erstarrungszyklen im Laserbad verzögert erfolgt, können Eigenspannungen relaxieren, ohne dass Risse entlang der Korngrenzen entstehen.

02

Die Problematik der Niob-Seigerung (Laves-Phasen)

Bei der dendritischen Erstarrung seigert Niob stark in die interdendritischen Zwischenräume ab. Dies führt zur Bildung spröder intermetallischer Laves-Phasen (Ni,Fe,Cr)2(Nb,Mo,Ti). Diese Phasen binden das wertvolle Niob, das für die spätere festigkeitssteigernde Gamma''-Ausscheidung fehlt, und verschlechtern die Duktilität drastisch. Ein standardisiertes Homogenisierungs- und Lösungsglühen bei ca. 1.065 °C bis 1.100 °C ist daher unverzichtbar, um die Laves-Phasen vollständig in der Matrix aufzulösen.

03

Wärmebehandlung nach Luftfahrtstandard AMS 5662 / AMS 5663

Das vollständige Wärmebehandlungsprotokoll für additiv gefertigtes Inconel 718 umfasst: 1. Spannungsarmglühen auf der Bauplatte (typisch 980-1.065 °C). 2. Optionales HIP (1.120 °C, 1.000 bar) zur Porenversiegelung. 3. Lösungsglühen bei 980 °C für 1 h mit anschließender schneller Abkühlung. 4. Zweistufige Auslagerung: 720 °C für 8 h, Ofenabkühlung auf 620 °C und Halten für weitere 8 h. Erst dieser Prozess entfaltet die volle Härte von 44-47 HRC.

04

Wirtschaftlicher Nutzen: Fräsen vs. Additive Fertigung

Inconel 718 ist für extremen Werkzeugverschleiß beim Fräsen berüchtigt: Geringe Schnittgeschwindigkeiten, hohe Schnittkräfte und extreme Kaltverfestigung treiben die Werkzeugkosten in die Höhe. Beim Fräsen aus dem Vollmaterial liegt das Buy-to-Fly-Verhältnis bei Turbinenrotoren oft bei 10:1 bis 15:1. Durch additive Fertigung sinkt der Zerspanungsaufwand auf 10 bis 20 % des ursprünglichen Volumens, was zu dramatischen Kosteneinsparungen führt.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Worin besteht der Unterschied zwischen Inconel 718 und Inconel 625?
Inconel 625 ist eine mischkristallgehärtete Legierung (feste Matrix durch Molybdän und Niob) und wird primär für maximale Korrosionsbeständigkeit (z.B. Seewasser, chemische Industrie) eingesetzt. Inconel 718 ist aushärtbar (Gamma'') und erreicht deutlich höhere Streckgrenzen bei hohen Temperaturen.
Welches Verfahren eignet sich für die Reparatur von Inconel-Teilen?
Laser-DED (Pulver oder Draht) ist das dominierende Verfahren für die Instandsetzung von Inconel 718 Komponenten (z.B. Schaufelspitzen von Turbinen), da die Wärmeeinflusszone minimal gehalten werden kann.
Kann Inconel 718 im As-Built Zustand eingesetzt werden?
Nein. Im As-Built Zustand weist Inconel 718 durch die Laves-Phasen und unvollständige Gamma''-Ausscheidung unzureichende Hochtemperaturfestigkeiten und Kriechbeständigkeiten auf. Eine Wärmebehandlung ist zwingend erforderlich.

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