Qualität & Post-Processing W3D-QMS-11 ISO/ASTM 52900 Validiert

Elektropolieren von Innenkanälen & Stents: Glanz & Passivierung

Elektropolieren metallischer 3D-Druckteile: Anodischer Materialabtrag im Säureelektrolyt, Einebnung von Mikrospitzen, spiegelglatte Innenflächen bei Stents und Titanimplantaten.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 9 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Das Elektropolieren ist ein elektrochemisches Abtragverfahren zur Glättung, Entgratung und Veredelung metallischer Bauteile. Das 3D-gedruckte Werkstück wird als Anode in einen spezialisierten Säureelektrolyten (meist Phosphor- und Schwefelsäuregemische) getaucht. Unter Gleichstromeinfluss lösen sich mikroskopische Rauheitsspitzen aufgrund erhöhter elektrischer Feldstärken bevorzugt auf. Das Verfahren erreicht unübertroffene Glanzgrade, halbiert die Oberflächenrauheit (bis Ra < 0.2 µm) und reichert Chrom in der Passivschicht von Edelstahl und Nitinol an – unverzichtbar für kardiovaskuläre Stents und Reinstgasleitungen.

  • Anodische Auflösung ebnet mikroskopische Schmelzspitzen kraft- und spannungsfrei ein.
  • Spiegelglatte Innenflächen: Erreicht Innenkanäle, die für Fräser oder Bürsten unzugänglich sind.
  • Chrom-Anreicherung: Erhöht das Cr/Fe-Verhältnis der Passivschicht auf über 2.0 für maximalen Korrosionsschutz.
  • Eliminiert lose Partikel und Mikrograte vollständig – FDA-Voraussetzung für Blutkontakt-Implantate.
Rauheitsverbesserung
um bis zu 50 - 70 %
Endrauheit (Ra)
bis zu 0.1 - 0.4 µm
Passivierung
Cr-Anreicherung > 2.0
Normierung
ASTM B912 / ISO 15730

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Parameter Standard Elektropolieren Chemisches Ätzen (ohne Strom) Strömungsschleifen (AFM)
Wirkprinzip Anodische elektrochemische Auflösung Reine chemische Säurereaktion Mechanische Abrasivpaste
Stromquelle nötig Ja (Gleichstrom bis 50 A/dm2) Nein Nein (Hydraulikzylinder)
Glanzgrad Spiegelglanz (sehr hoch) Matt bis seidenmatt Glänzend in Flussrichtung
Eignung für feine Gitter Exzellent (umspült alle Stege) Sehr gut Eingeschränkt (Druckverlust)
Materialabtrag 5 - 30 µm (präzise steuerbar) Schwer kontrollierbar 20 - 100 µm
01

Elektrochemische Doppelschicht und Viskositätstheorie nach Jacquet

An der Bauteilanode bildet sich ein hochviskoser, metallionenreicher Flüssigkeitsfilm aus. Über den Rauheitsspitzen ist dieser Film deutlich dünner als über den Tälern. Der ohmsche Widerstand ist an den Spitzen geringer: Der Strom fließt konzentriert in die Spitzen, wodurch sie exponentiell schneller aufgelöst werden als die Vertiefungen. Das Profil glättet sich vollkommen verzugsfrei.

02

Spezialkathoden für innenliegende Kühl- und Hydraulikkanäle

Da der elektrische Strom den Weg des geringsten Widerstands wählt, dringt das elektrische Feld nicht von selbst tief in enge Bohrungen ein (Faradayscher Käfigeffekt). Um gekrümmte Kühlkanäle innen zu polieren, werden flexible, isolierte Drahtkathoden durch den Kanal gezogen und der Elektrolyt durch den Kanal gepumpt. Dies glättet Kanäle ab 1.5 mm Durchmesser auf spiegelglatte Innenflächen.

03

Chrom-Anreicherung und Passivschichtqualität nach ASTM B912

Eisenatome lösen sich im Elektrolyten schneller als Chrom. Nach dem Elektropolieren besteht die oberste Atomlage aus nahezu reinem Chromoxid (Cr2O3). Das Verhältnis von Chrom zu Eisen (Cr/Fe) steigt von 0.7 auf über 2.5. Im Salzkammertest und bei pharmazeutischen CIP-Reinigungszyklen widerstehen elektropolierte 3D-Druckteile selbst aggressivsten Medien ohne Lochfraß.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Titanbauteile elektropoliert werden?
Ja, allerdings nicht in Standard-Schwefelsäure. Titan erfordert spezielle wasserfreie Elektrolyte auf Basis von Essigsäure, Methanol und Perchlorsäure bei gekühlten Temperaturen unter 15 °C.
Wie viel Wandstärke geht beim Elektropolieren verloren?
Typischerweise werden zwischen 10 und 30 µm pro Oberfläche abgetragen. Dieses Maß wird in der CAD-Konstruktion als Vorhaltemaß berücksichtigt.
Werden auch Schweißspritzer entfernt?
Ja, kleine, schwach anhaftende Satellitenpartikel lösen sich an ihrer Einschnürung blitzschnell auf und fallen spurlos ab.

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