Werkstoffe & Legierungen W3D-MAT-34 ISO/ASTM 52900 Validiert

Amorphe Metalle (Bulk Metallic Glasses): Gläserne Metalle im LPBF

3D-Druck amorpher Metalle (Bulk Metallic Glasses / BMG): Kristallisationsfreie Erstarrung, Streckgrenzen > 2.000 MPa, elastische Dehnung bis 2 %, verschleißfreie Uhrenfedern.

Stand: 2026-03-24 Lesezeit: 10 min Fachredaktion Additive Fertigung
Executive Summary & Technische Kernaussagen Normativer Status: Valide

Amorphe Metalle (auch bekannt als metallische Gläser oder Bulk Metallic Glasses, BMG) besitzen im festen Zustand kein regelmäßiges Kristallgitter. Ihre Atome sind wie in einer erstarrten Flüssigkeit vollkommen ungeordnet eingefroren. Da Korngrenzen und Versetzungen – die typischen Schwachstellen kristalliner Metalle – fehlen, weisen amorphe Metalle gigantische mechanische Eigenschaften auf: Streckgrenzen von über 2.000 MPa, reversible elastische Dehnungen von bis zu 2 % (vierfach höher als Federstahl), außergewöhnliche Korrosionsbeständigkeit und extrem hohe Härte. Mit LPBF lassen sich amorphe Bauteile erstmals ohne die geometrischen Dickenbeschränkungen des Kokillengusses herstellen.

  • Keine Korngrenzen: Streckgrenzen über 2.000 MPa bei gigantischer elastischer Energiespeicherung.
  • Elastische Dehnung von bis zu 2 % (Federstähle erreichen nur ca. 0.5 %) für verschleißfreie Festkörpergelenke.
  • Kritische Abkühlrate (> 10^3 K/s) im LPBF-Schmelzbad verhindert die Kristallisation in-situ.
  • Perfekt für Weltraummechanismen, Festkörpergelenke, chirurgische Skalpelle und Luxusuhrengehäuse.
Streckgrenze (Rp0.2)
> 1.800 - 2.200 MPa
Elastische Dehnung
bis zu 2.0 % (reversibel)
Härte
50 - 62 HRC
Kristallinität
< 1 % (vollamorph)

Technische Kennwerte & Verfahrensvergleich

ISO/ASTM 52900
Kriterium Amorphe Zirkonlegierung (Zr-BMG) Federstahl 1.4310 Titan Ti-6Al-4V
Atomare Struktur Vollkommen amorph (glasartig) Kristallin (Austenit/Martensit) Kristallin (Alpha+Beta)
Streckgrenze Rp0.2 1.900 - 2.100 MPa 1.200 - 1.500 MPa 880 - 950 MPa
Elastischer Federweg Bis 2.0 % Ca. 0.5 % Ca. 0.7 %
Korngrenzenkorrosion Physikalisch unmöglich (keine Körner) Möglich Sehr gering
Wärmebehandlung Keine erlaubt (kristallisiert sonst) Anlassen erforderlich Spannungsarmglühen
01

Thermodynamik: Kampf gegen die Kristallisationsnase (TTT-Diagramm)

Damit eine Metallschmelze amorph erstarrt, muss die Temperatur so schnell unter die Glasübergangstemperatur (Tg, meist 350 bis 450 °C) abfallen, dass keine Kristallkeime wachsen können. Die Abkühlrate muss schneller sein als die "Nase" im Zeit-Temperatur-Umwandlungsdiagramm (TTT). Da die mikroskopischen Schmelzbäder im LPBF mit Abkühlraten von 10^4 bis 10^6 K/s erstarren, ist das Laserschmelzen das perfekte Verfahren, um amorphe Zirkon-, Titan- oder Eisenlegierungen rissfrei aufzubauen.

02

Das Problem der Wärmeeinflusszone (Heat-Affected Zone)

Während die Schmelzspur selbst amorph erstarrt, wird das bereits erstarrte Nachbarmaterial beim Überlappen des Lasers wieder erwärmt. Steigt die Temperatur in der Wärmeeinflusszone über die Kristallisationstemperatur (Tx), bilden sich spröde Nanokristalle (Devitrifizierung). Durch ultrakurze Laserbelichtungszeiten (Hauchen), angepasste Hatch-Abstände und zirkonbasierte Legierungen mit großem unterkühltem Flüssigkeitsbereich (Delta-Tx > 60 K) bleibt das Gesamtbauteil zu über 98 % amorph.

03

Festkörpergelenke und Raumfahrtmechanismen ohne Schmiermittel

In Weltraumsatelliten verdampfen flüssige Schmierstoffe im Vakuum, und klassische Kugellager fressen fest. Aus amorphen Metallen gedruckte monolithische Festkörpergelenke (Compliant Mechanisms) ersetzen Scharniere und Gelenke vollständig: Die Bewegung erfolgt rein elastisch durch Biegung des amorphen Metalls über Milliarden Lastzyklen ohne Ermüdung und ohne Reibungsverschleiß.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können amorphe Bauteile wärmebehandelt werden?
Nein. Jede Erwärmung oberhalb der Kristallisationstemperatur zerstört den amorphen Zustand und führt zu sprödem Versagen. Amorphe Bauteile werden im reinen as-built Zustand eingesetzt.
Welche Basiselemente dominieren die amorphen AM-Legierungen?
Zirkon (z. B. Zr-Cu-Al-Ni), Titan (Ti-Zr-Cu-Pd) und Eisen (Fe-Cr-Mo-C-B-P) sind die industriell führenden Legierungssysteme mit hoher Glasbildungsfähigkeit.
Wie wird die Amorphizität nachgewiesen?
Mittels Röntgendiffraktometrie (XRD): Das Beugungsbild zeigt keine scharfen Bragg-Peaks, sondern einen breiten amorphen Höcker (Halo-Muster).

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