Cold Metal Transfer (CMT) im WAAM-Prozess

Kalt, spritzerfrei und präzise: Wie oszillierende Schweißdrähte den Großformat-Druck zähmen.

16.07.2026 00:00 15 min Lesezeit Von Lyam Ludger Schippers
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Cold Metal Transfer (CMT) im WAAM-Prozess

1. Einleitung: Schweißen am kältesten Punkt

Wire Arc Additive Manufacturing (WAAM) ist der unangefochtene Meister, wenn es darum geht, riesige Metallteile (z. B. 10 Meter lange Brückenträger oder Schiffsschrauben) extrem schnell und günstig zu drucken. Ein normaler MIG/MAG-Schweißroboter schmilzt dabei Draht Schicht für Schicht auf. Das Problem: Konventionelles Lichtbogenschweißen bringt brutal viel unkontrollierte Hitze in das Bauteil. Das Metall schmilzt weg, verzieht sich extrem (Warping) und es spritzt überall hin (Spatter).

Die Lösung für präzisen 3D-Druck per Lichtbogen entwickelte die Firma Fronius: Den Cold Metal Transfer (CMT).

Ist CMT wirklich "kalt"?

Nein, Metall schmilzt natürlich nicht kalt. "Cold" bedeutet hier nur "deutlich kälter als normal". Der Hitzeeintrag (Heat Input) ist beim CMT-Verfahren extrem minimiert und physikalisch von der Tröpfchenablösung entkoppelt, wodurch sich WAAM plötzlich für dünnwandige 3D-Druck-Strukturen eignet.

2. Das Geheimnis der Draht-Rückzug-Bewegung

Beim klassischen Schweißen treibt der Drahtvorschub den Draht stur vorwärts in das Schmelzbad. Der Lichtbogen brennt permanent und heizt das Werkstück massiv auf.

Der CMT-Prozess ist hingegen hochgradig geregelt (bis zu 90 Mal pro Sekunde!):

  • Der Draht fährt vor. Ein Lichtbogen zündet und schmilzt das Drahtende an.
  • Sobald der flüssige Tropfen das Schmelzbad berührt (Kurzschluss), schaltet die Maschine den Strom drastisch ab. Es gibt keinen Lichtbogen mehr, also auch keine Hitzeeinwirkung (Kaltphase).
  • Gleichzeitig zieht der Drahtvorschubmotor den Draht physikalisch ein Stück zurück! Durch dieses Zurückziehen wird der flüssige Tropfen mechanisch (und nicht durch elektromagnetische Kräfte wie beim MAG) in das Schmelzbad "abgelegt".

3. Die Vorteile für den WAAM-3D-Druck

Diese oszillierende Vor-und-Zurück-Bewegung macht CMT zum ultimativen WAAM-Werkzeug.

  • Nahezu spritzerfrei: Da der Tropfen sanft abgelegt und nicht durch einen brennenden Lichtbogen weggeschleudert wird, bleibt die Umgebung sauber. Das ist beim 3D-Druck wichtig, da Spatter spätere Schichten ruinieren würden.
  • Wandstärken-Kontrolle: Da das Schmelzbad durch die extremen Kaltphasen sofort wieder zäh wird (schnelle Erstarrung), kann man exakte, dünne Wände direkt übereinander drucken, ohne dass das Metall wie Wachs an den Seiten herunterläuft.

4. Multi-Material und Aluminium

Aluminium leitet Hitze extrem gut ab und ist beim klassischen Lichtbogenschweißen schwer zu kontrollieren (fällt oft durch). Der minimale Hitzeeintrag des CMT-Prozesses macht das Drucken von Aluminiumstrukturen (z. B. für die Luftfahrt) per WAAM erst wirtschaftlich möglich.

Zudem erlaubt die CMT-Technologie das Fügen extrem ungleicher Metalle (z. B. Aluminium auf verzinktem Stahl), da das Aluminium schmilzt, der Stahl darunter aber nur benetzt wird (Brazing-Effekt), ohne aufzuschmelzen.

5. Fazit: Der Standard für Großformat-AM

Wenn Start-ups heute Raketentanks aus Stahlblechen "drucken", nutzen sie fast immer eine Variante des CMT-Prozesses. Er verwandelt den wilden, ungenauen Schweißroboter in ein präzises Skalpell, das Schicht für Schicht kontrolliert ablegt und so das gigantische wirtschaftliche Potenzial des WAAM-Verfahrens für die Schwerindustrie freischaltet.